| (Auszug aus der solanischen Post) |
| Der Zerfall des hohen Rates |
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Ungewöhnlich
viele Elfenwanderungen werden dieser Tage in Sudgard beobachtet. Sie
ziehen in die Wälder von Sudgard im Osten oder über die geheimen
Bergpfade des Midfiall zur Hauptstadt Veorstad. Wenn man die Elfen nach
dem Grund ihrer Wanderschaft fragt, so reagieren sie bestürzt und tiefe
Trauer macht sich in ihren Gesichtern breit. Die Unkenntnis der
Menschenvölker in Solania bedeutet den Elfen, das Isnaril, Abgesandter
des hohen Rates von Sudgard, mitsamt seinem Gefolge zweifelsohne tot
sein muß. So hören wir nun sehr spät die unheilvolle Kunde von den
Elfen: Der Rat ist nicht mehr! Immer lauter wurden die Stimmen der
Ratsmitglieder vom Menschengeschlecht, die nach Unabhängigkeit für
Sudgard streben. Die Ratsmitglieder vom Elfengeschlecht hingegen fürchteten
der alten Ordnung Niedergang. Viel zu leicht lassen sich die Menschen
von Ruhm und Macht verführen und zu einem Waffengang hinreissen, selbst
unter ihresgleichen. Doch die Menschen wollten nicht länger auf das besänftigende
Wort der Elfen hören. Der hohe Rat von Sudgard war heillos zerstritten
und zerbrach. Wie die Zwerge sich nun verhalten werden ist ungewiss.
Wahrscheinlich werden sie sich auch weiterhin in ihren unterirdischen
Reichen nur um ihre eigenen Belange kümmern, was in diesen Tagen wohl
nicht zu bedauern sein dürfte. Und auch die Elfen ziehen es vor, in
andere Gestade auszuweichen, denn sie sind nicht in Sudgard, um zu
streiten wider dem Menschengeschlecht, gleich ob sudgarder oder anderer
solanischer Herkunft. Es wird sicher nicht wenige geben, die den Elfen
gar Feigheit vorwerfen. Doch wer vermag schon all ihr Tun zu verstehen?
Aber Angst haben die Elfen, das ist wahr. Angst um die schöne Blume
Sudgard, die gerade erst neu erblüht und nun in Gefahr ist, vom
Kriegsgerät der Menschen niedergewalzt zu werden. Möge das, was mir
aus Sudgard herangetragen wurde, als ernst zu nehmende Warnung oder nur
als Schwarzseherei abgetan werden, so sollten meine Worte doch in jedem
Fall Gehör finden.Ich werde daher weiterhin
alles kundtun, was mir aus Sudgard zugetragen wird. Lasst uns alle
hoffen, das die Elfen sich diesmal irren – nur dieses eine Mal.
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Ferdinand Federkiel
( 16. Tag des Hartgrund, 1486 d.n.Z. )
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