| Riga und die Festung Hammerfell |
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Der
Nordwesten Sudgards, einerseits kultiviert von Menschen und Elfen,
anderseits unberührt und geheimnisvoll. Das weite grüne Grasmeer,
genannt Grønndal. Wer es zum ersten Mal sieht, ist überwältigt von
seiner Weite. Am Horizont sind Kuhherden und ihre Treiber zu erahnen.
Das Land ist leicht gewellt von kleinen Hügeln und nur selten
unterbrochen von einzelnen Bäumen und Büschen. Was an Pflanzen fehlt
machen die unzähligen Hasen wieder wett. So ist es nicht verwunderlich,
das neben dem Wildhühnchen, Hase das ortstypische Gericht von Grønndal
ist und das in tausend köstlichen Variationen. Sozusagen
auf dem Scheitelpunkt liegt das Städtchen Riga und das Ritterlehen
Hammerfell. Herr von Riga und Hammerfell ist der ehemalige Gardist
Scheldrik Aberdaan Feuerstein von Schattenfels. Der richtige Titel müsste
mittlerweile von Hammerfell lauten, obwohl er darauf besteht das der
gesamte Titel wie folgt lautet: Scheldrik Aberdaan Feuerstein von
Hammerfell, Riga und Schattenfels, Ratsritter von Sudgard. Wenn man sich
Riga nähert so sieht man zunächst die 2,5 Schritt hohe Mauer aus
Feldsteinen und kleinen aufgesetzten Holztürmen. Wenn man dann das
eichene Stadttor durchschreitet, so ist man enttäuscht. Im Schutze der
Mauern zwängen sich die Hütten wie Vieh aneinander, nur getrennt von
schmalen Gassen. Auch wenn die Stadt einige nette Gasthäuser hat, ist
es doch sehr verschlafen. Besonders erwähnt sein sollte noch das St.
Bernhards Stübchen, wo das beste Bier und Essen der Region serviert
wird. In dieser gemütlichen Gaststube hört man vielerlei alte Fabeln.
Von einem Landedlen der nur Nachts lebt und sich schöne junge Frauen
ins Schloss holte, wo er sie dann tötete, bis sich die Geister der
Frauen an ihm rächten. Das Schloss soll wohl irgendwo in den Bergen
liegen. Oder vom alten Galgenturm, in dem es spuken soll. Der Geist
eines Unschuldigen soll dort umgehen und nach Erlösung rufen, die ihm
aber nur ein Henker geben kann. Man erfährt von zwei unglücklich
Verliebten, die sich nicht sehen durften, weil ihre Eltern sich hassten
und zum Schluss gemeinsam ins kalte nasse Grab hinabstiegen, um für
immer vereint zu sein. Gewiss hört man auch vom Häidanholz. Dort wo
sich in alten Zeiten die Hexen zum Tanz um den Blutbachstein getroffen
haben. Nach einem halbstündigen Ritt erreicht man das Wäldchen und den
Stein. Geschichten von Menschenopfern und blutigen Orgien ranken um
diesen Ort. Die tanzenden jungen Weiber, genossen es in ekstatischer
Hingabe, sich mit jungen Burschen zu paaren und sie dann auf dem Stein
ihren finsteren Göttern zu opfern. Das ist allerdings schon lange her. Ansonsten
wird die Stadt von kleinen Stroh gedeckten Hütten dominiert, in denen
die einfachen Handwerker mit ihrem Vieh unter einem Dach wohnen. Die
beiden imposantesten Gebäude der Stadt sind wohl die Feste Hammerfell
und der neu gebaute Askedian-Tempel der Nordsehne. Während sich Burg
Hammerfell düster und Ehrfurcht gebietend, auf einem Hügel befindlich,
über der Stadt thront, ist der neue Tempel das Zentrum der Stadt. Genau
auf dem Markt gelegen bildet der Tempel ein Kreuz von den drei Toren und
der Burg, als wäre ein Kreuz über die Stadt gelegt. Der Tempel ist der
Hauptsitz der askedianischen Nordsehne, welche zwar noch zur
drakonischen Sehne gehört, sich aber praktisch selbst verwaltet. Wenn
man vom Marktplatz in Richtung der Festung geht, so kommt man an der
Tassilo Gedenkstatue vorbei, welche an jene erinnert, die im
aredroque-akronischen Krieg den Heldentod gestorben ist. Dann kommt man
zur Rampe, die zur Festung führt. Wie ein grauer Zahn erhebt sich die
Burg über Riga. Das mächtige Eichentor macht den Eindruck als könnte
es jahrelange Belagerungen standhalten. Das große Torhaus ist aus
grauen Felsgestein gefügt, gute 5 Schritt hoch und hat die Ähnlichkeit
mit einem Steintroll. Dort drinnen
befinden sich sowohl eine Wachstube, als auch Waffenlager und
Wehranlagen wie Pechnasen und Fallgrube. Wenn man an den drei oder vier
Wachgardisten vorbei ist, betritt man den Burghof. Dieser ist mit groben
Pflastersteinen ausgelegt und würde wohl rund 200 Soldaten Platz
bieten. Zumeist wird der Burghof nur von einigen Knechten und Mägden
bevölkert, die ihrer täglichen Arbeit nachgehen. Auch gibt es
Stallungen, die vielerlei Kleinvieh beherbergen. Aber auch Stallungen für
größerer Tiere sind vorhanden, z.B. für die Schlachtrösser des
Burgherren. Außerdem liegt versteckt hinter einigen Heuschobern das Gebäude,
das Herrn Feuerstein reich gemacht hat. Dort wird der edle Apfelwein der
Region gemostet und zu Wein verarbeitet. Außerdem wird noch Kompott und
Apfelkuchen daraus gemacht, denn man im St. Bernhards Stübchen
verkosten kann. Aber die wirkliche Pracht liegt in der Mitte der Burg:
der Zwinger. Oh Nein, Herr Feuerstein züchtet keine Hunde. Der Zwinger
ist eine Burg in der Burg. Der Burgfried, jedoch mächtiger und mit
Innenhof. Wie ein Fels ragt er aus der Anlage und man möchte meinen, er
berühre den Himmel. An den Simsen und Erkern hat Herr Feuerstein überall
askedianische Engelsfiguren in Stein meißeln lassen. So bekommt man das
Gefühl, über einem würden himmlische Heerscharen einen Reigen vollführen.
Direkt gegenüber, mit Blick auf die weite Ebene von Grønndal, liegt
der Söller. Ein mächtiger Turm mit dicken Mauern und wuchtigen
Fundamenten. Auf seinem Dach wurde sowohl ein Katapult installiert als
auch mehrere schwere Armbrüste. Der Zwinger ist nicht ganz so stark
befestigt. Er dient eher als Wohnschloss. Wobei auch der Zwinger
durchaus eine oder zwei Wochen Belagerung überstehen kann. Trotzdem
sind im zweiten Stockwerk die Fenster groß geplant worden, um so das
innere mit Licht zu durchfluten. In den Zwinger kommt man durch ein schön
verziertes Tor und eine Marmortreppe. Die mit Eisenfratzen beschlagenen
Torflügel geben denn Blick frei in ein kleines Paradies. Der Innenhof
ist übersät mit vielerlei Blumen und Sträuchern. Herr Feuerstein hat
eigens für diesen Garten einige Rehkitze einfangen und zähmen lassen,
damit sie den Eindruck von Harmonie und Frieden noch verstärken. Die
Gemächer des Burgherren befinden sich in denn oberen Stockwerken. Unten
sind Dinge untergebracht, wie Schlossküche Lager und dergleichen. Der
neue Herr von Riga hat jede Menge Schwung in die Stadt gebracht und neue
Arbeitsmöglichkeiten geschaffen. Dadurch ist sogar etwas Wohlstand in
Riga eingekehrt. Allerdings ist Herr Feuerstein ein Soldat und Krieger.
Er hat sogar eine Wehrpflicht und Wehrsteuer eingeführt. Riga ist mit
etwa 480 Seelen nicht gerade mehr ein Dorf. Zum einen sind da die 30
Stadtbüttel, die in einem Gebäude am Osttor untergebracht sind. Dann
hat es 25 Bogen- und Armbrustschützen sowie 12 Artelleristen auf der
Burg. Dazu kommen noch 25 schwere Reiter mit Kettenhemd, Helm, Schild,
Schwert und Lanze, die man die Gepanzerten nennt. Einschließlich
Landwehr und einigen Söldnern kommt man da schon auf die stattliche
Zahl von ungefähr 300 Mann unter Waffen. Wovon allerdings die Landwehr
mit etwa 200 Mann den Großteil bildet, doch durch das monatliche
Waffentraining nicht zu unterschätzen ist. Alle Stadtbewohner müssen
sich einmal im Monat auf dem Rechtsanger treffen, um den Umgang mit dem
Bogen und dem Spieß zu erlernen. Das schlägt den Leuten hier auf den
Magen, wobei sie dann zum Schluss immer einräumen, dass es ja sein
Gutes hat. Immerhin ist die Gegend nicht gerade friedlich. Immer wieder
zieht es seltsame Kreaturen von Westen Richtung Riga und so manch
einsamer Wanderer ist ihnen schon zum Opfer gefallen. Den Leuten macht
auch Sorge, das Herr Feuerstein oft und lange auf Reisen ist und man
immer befürchten muss, dass er nicht mehr wieder kommt. Einige sagen es
wäre wohl gut so, aber der Großteil hat Angst, das der Nachfolger um
Einiges schlimmer sein könnte. Im Allgemeinen haben die Bewohner von
Riga ihren neuen Lehnsherrn ins Herz geschlossen und zahlreicher werden
jene, die für ihren Herrn ihr Leben geben würden. Allerdings wünschen
sich die Meisten, das er endlich heiratet und Kinder zeugt, damit auch
das ewige Reisen ein Ende hat. Lexothek: Suðgard Autor: Scheldrik (Fiallrik-Gruppe) |