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| Der Ausbruch der Orkkriege | ( 3./4. Tag des Wonnegrund, 483 d.n.Z. ) |
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Dies
ist die Geschichte über den Beginn der Beilzeit von Sudgard im Jahre
483 des neuen Zeitalters. Ebenso ist es die Geschichte über die
Heldentat des Konrad von Levia, dem ruhmreichen Standartenträger vom
Orden der Schwanenkreuzer. Konrad hatte bereits die Ritterehre inne,
bevor er sich den Schwanenkreuzern anschloss. Ihm ward Levia am Rande
des Grönndal als Lehen überlassen. Doch nicht Levia ward nun seine
Heimat, sondern Solgard, der Ordenssitz der Schwanenkreuzer dieser
Gestade. Levia wurde von Konrad´s Bruder verwaltet und er machte seine
Sache gut. Auch Konrad´s Gemahlin weilte in Solgard. Sie schenkte ihm
einen Sohn und sie nannten ihn Willbur. Er war seines Vaters ganzer
Stolz. Gleichermaßen liebte Willbur seinen Vater mehr als alles andere
auf der Welt und die gemeinsame Zeit mit seinem Vater war für Willbur
das höchste Glück. Und in der Tat verbrachte Konrad soviel Zeit mit
seiner Familie, wie er nur konnte. Glückselig war die Zeit im Hause
Konrad´s in jenen Tagen, für wahr. So
begab es sich am dritten Tag des Wonnegrund im Jahr 483 d.n.Z., das
Konrad von Solgard aufbrach, um seinen Bruder in Levia zu besuchen.
Dieses Mal reiste Konrad nicht allein. Willbur war bereits zehn Jahre
alt und durfte seinen Vater diesmal begleiten, was Willbur zu großer
Freude gereichte. Auf dem Weg lauschte Willbur den spannenden
Geschichten seines Vaters über die Schwanenkreuzer und ihre Taten. So
verging die Zeit für Willbur unmerklich und er war sogar ein wenig enttäuscht,
als sein Vater sprach: „Die Sonne wird bald untergehen, doch Viennor
ist nicht mehr weit. Dort werden wir in einem Gasthaus einkehren.“ So
taten sie es und verbrachten die Nacht in einem gemütlichen Gasthaus in
Viennor. Es sollte die letzte sorglose Nacht der beiden sein. Der
Sonnenlauf war noch jung, als das Horn in Viennor erschallte und die
herannahende Gefahr verkündete. Konrad und Willbur wurden jäh aus
ihren Träumen gerissen. Konrad eilte ins Freie und erfuhr sogleich die
Kunde von einem Orkheer, das auf die Stadt zukam. Die Orks kamen aus
Myrgatt. Eine große Erdspalte trug diesen Namen. Sie war mehrere Meilen
lang und wie tief sie war konnte niemand sagen, denn das Licht wurde
verschluckt in der Dunkelheit der Tiefe. An beiden Seiten der Erdspalte
führten Treppen hinab. Niemand wusste, was in Myrgatt verborgen war
oder was dort in der Tiefe hauste. Von allen Baronien lag Viennor
Myrgatt am nächsten und die Menschen von Viennor befürchteten seit je
her, das der Tag kommen würde, an dem Myrgatt etwas Böses ausspuckt.
Ohne Zweifel, dieser Tag war nun angebrochen. Obgleich
das Volk von Viennor durchaus wehrhaft war, beschloss Konrad Hilfe zu
holen. Der Weg zu den Ordensbrüdern in Solgard war versperrt, die Zeit
hätte ohnehin nicht ausgereicht, um rechtzeitig aus Solgard zurückzukehren.
Also blieb nur noch Duinor. Gewiss würde der Baron von Duinor ein Heer
ausschicken um Viennor beizustehen. Die Zeit drängte und Konrad
sattelte eiligst sein Pferd. Er gebot seinem Sohn im Gasthaus zu bleiben
bis er mit einem Heer aus Duinor zurückkehren würde und die Brut aus
Myrgatt niedergestreckt ist. Mit einer innigen Umarmung verabschiedete
sich Konrad von seinem Sohn und stieg auf sein Pferd. Er nahm die
Standarte der Schwanenkreuzer an sich und gab dem Pferd die Sporen. Für
wahr, dieser Reiter war mehr als ein Schwanenritter des Ordens, er war
ein Standartenträger und somit Botschafter der Schwanenkreuzer. Sein
Wort war verbindlich, auch jenseits des Ordens. Er sprach im Namen aller
Schwanenkreuzer und stets führte er auf Reisen die Standarte mit sich.
Die Standarte war beeindruckend. Sie war reich verziert und trug das
Wappen der Schwanenkreuzer. Zwei Edelsteine waren ebenfalls in der
Standarte eingefasst. Diese Edelsteine machten die Standarte
einzigartig, denn sie waren nicht nur wunderschön, sondern hatten auch
magische Kraft inne. Aber Konrad beherrschte die magischen Steine der
Standarte nicht. Er konnte nicht über ihre Kraft verfügen. An manchen
Tagen hätte er sie gut gebrauchen können, aber sie blieben regungslos.
Umso überraschter war er, wenn ihm die magische Kraft aus dem Herzen
der Standarte unerwartet aus der Bedrängnis half. Die Edelsteine fand
Konrad einst auf recht seltsame Weise, doch dies ist eine andere
Geschichte. Konrad ließ die Standarte mit den edlen Fundstücken
verzieren. Er ward so ein Schwanenritter von großer Macht in Wort und
Tat und es war gut, das er die Standarte in jenen unheilvollen Tagen mit
sich führte. Es
kam anders, als erwartet. Das Orkheer teilte sich auf. Der kleinere Teil
zog weiter gegen Viennor, während der weit größere Teil auf dem
Handelspfad nach Duinor marschierte. Es schien, als würden die Orks nur
wenig Gegenwehr in Viennor erwarten. Die Orks sollten sich irren. Die
Menschen in Viennor hatten diesen Tag gewiss gefürchtet, aber auch
schon lange kommen sehen und so war Viennor nicht gänzlich
unvorbereitet. Als Willbur die Kunde erfuhr, das die Orks nun auch nach
Duinor marschierten, war er voller Zuversicht. Die Orks gingen also
seinem Vater entgegen und damit in ihr Verderben. Umso schneller würde
er seinen Vater wiedersehen. Sein Vater allein würde die Scheusale
gewiss in das dunkle Loch zurückwerfen, aus dem sie gekrochen sind. So
dachte Willbur bei sich und all seine Gedanken waren bei seinem
geliebtem Vater. Wie gerne wäre er dabei, wenn sein Vater Sudgard von
dieser Plage befreit. Wie so oft durchfuhr Willbur ein unbeschreibliches
Gefühl des Stolzes. Er war Willbur, Sohn des ruhmreichen Konrad von
Levia, Ritter vom rechten Flügel des Schwans und Träger der Standarte.
Willbur war sicher, er würde seinem Vater schon sehr bald wieder
entgegen laufen können. Wie immer würde sein Vater ihn dann lachend
empor heben und fest an sich drücken. Sogleich
wurde Konrad zu Baron Hogar von Duinor vorgelassen. Ohne Zögern rief
der Baron zu den Waffen, als er die Kunde hörte. Siegessicher brach das
Heer auf zum Streite wider den Unholden aus Myrgatt. Unterdessen tobte
bereits der Kampf an den Mauern von Viennor. Wieder und wieder rammten
die Orks ihr Kriegsgerät gegen das Stadttor. Aber die Tore waren stark
und brachen nicht. Tödliche Pfeilhagel gingen auf die Orks hernieder,
gepaart mit siedend heißem Öl. Schließlich wurden die Tore geöffnet
und wohl gerüstete Ritter aus Viennor gaben den Orks den Rest. Viennor
hatte gesiegt. Unterdessen
staunte Konrad nicht schlecht, als er in der Ferne das Heer der Orks
erblickte. Das Heer aus Duinor hatte gerade erst die Furten des Avestir
überquert. Sie rechneten damit, erst nahe Viennor auf die Orks zu
treffen. Große Sorge machte sich bei Konrad breit. Sind die Orks also
nicht nach Viennor gezogen? War Duinor ihr Ziel? Oder schlimmer noch,
war Viennor bereits gefallen? Er dachte an seinen Sohn und er spürte plötzlich
einen Schmerz, als ob jemand einen Dolch in sein Herz rammen würde. Der
Gedanke an den Verlust seines Sohnes raubte ihm fast die Sinne. Er
musste diese Gedanken verdrängen, denn sie würden in kampfunfähig
machen. Es gelang ihm nur mit Mühe. Der Sonnenlauf war schon weit
vorangeschritten, als die beiden Heere aufeinander trafen. Sie waren
gleich groß an der Zahl. Tapfer kämpften die Gardisten von Duinor und
schickten viele Orks in den Tod. Und doch mussten sie Schritt um Schritt
zurückweichen. Nicht wenige dieser dunklen Kreaturen schienen keinen
Schmerz zu spüren und nahmen ihrerseits noch viele mit sich in den Tod.
Selbst als ihnen sämtliche Gliedmaßen abgeschlagen waren, verbissen
sie sich noch mit ihren langen Fangzähnen in ihre Gegenüber. Viele
Gardisten starben so mit aufgerissener Kehle. Man konnte einige
Gardisten sehen, wie sie die letzten Augenblicke ihres Lebens damit
verbrachten, über das Schlachtfeld zu kriechen auf der Suche nach ihrem
abgebissenen Bein. Ein schauerlicher Anblick. Das Heer von Duinor
ergriff die Flucht. Sie liefen über einen Hügel zurück. Nur einer
blieb auf der Anhöhe stehen. Er hielt die Standarte der Schwanenkreuzer
in der linken und das bluttropfende Schwert in der rechten Hand. Er rief
den flüchtenden Gardisten hinterher: „Nein, bleibt stehen! Vorwärts
führt der Weg zum Sieg, nicht zurück. Haltet stand!“ Immer wieder
schrie er: „Haltet stand!“ Doch in Panik liefen sie weiter. Erst in
sicherer Entfernung machten sie Halt. In der Ferne konnten sie noch den
Schwanenritter auf der Anhöhe stehen sehen. Alleine und todesmutig
wartete Konrad auf den Ansturm der Orks. Aber
die Orks schienen den Hügel nicht erstürmen zu wollen. Die Zeit
verging. Kopfschüttelnd sahen die Gardisten den Schwanenkreuzer in der
untergehenden Sonne, den Orks zugewendet und wartend. Die Nacht brach
herein. Eine kleine Schar der Gardisten lief nicht weiter zurück. Sie
blieben, wenn auch in sicherer Entfernung. Nachtwachen wurden
eingeteilt. Gewiss würde auch die letzte kleine Heerschar aus Duinor
die Flucht ergreifen, sollte auch nur ein einziger Ork über die Anhöhe
kommen. Doch es blieb ruhig. Es war eine dunkle Nacht und die Sterne
waren verhüllt. Auch Konrad war auf dem Hügel in der Dunkelheit nicht
mehr auszumachen. Ungläubig
schauten die Gardisten in Richtung des Hügels als die Morgensonne
langsam den nächsten Tag erhellte. Noch immer war der Schwanenkreuzer
auf dem Hügel zu sehen, wenn auch kniend, aber noch immer die Standarte
aufrecht haltend. Die Gardisten sahen zwar nur den Rücken des
unerschrockenen Ritters, dennoch war es ein beeindruckendes Bild und
zugleich beschämend für die Gardisten aus Duinor. Keiner der Gardisten
sagte ein Wort. Sie schauten sich nur gegenseitig an. Wollten oder
wagten die Orks es nicht, sich dem einsamen Kämpfer auf dem Hügel zu
stellen? Oder waren sie gar schon abgezogen? Wie dem auch sei,
angesichts des tapferen Schwanenkreuzers auf dem Hügel, machte sich
neuer Kampfeswille unter den Gardisten breit. Wahrlich, der
Schwanenkreuzer gab ihnen neuen Mut. Ein jeder war nun entschlossen,
seine Ehre wieder herzustellen, koste es auch den Tod. Jedes Wort war überflüssig.
Sie zogen die Schwerter blank und liefen dem Hügel entgegen. Scham,
Trauer und Wut durchfuhr die Gardisten, als sie neben dem knienden
Schwanenritter standen. Ein Pfeil steckte tief in seiner Brust. Niemand
vermochte zu sagen, wie lange er schon tot war. Unglaublich aber wahr,
selbst der Tod konnte Konrad´s Kampfeswillen nicht brechen. Am Fuße
des Hügels standen die Orks wild fauchend. Sie wagten es nicht, den Hügel
hinaufzustürmen. Nun sahen auch die Gardisten den Grund. Die Standarte,
die Konrad immer noch fest mit der Hand umklammerte und aufrecht stand,
hielt die Orks zurück. Die beiden Edelsteine in der Standarte funkelten
wild, als wären sie außer sich vor Zorn. Lichte Magie war hier zugegen
und das wussten auch die Orks. Einige Orks, die tot am Fuße des Hügels
lagen, waren ohne Zweifel Zeugnis dieser lichten Magie aus der
Standarte. Die Gardisten aus Duinor nahmen Konrad die Standarte aus der
Hand und schlossen ihm die Augen. Mit lautem Gebrüll rannten die
Gardisten den Hügel hinab. Ein erbitterter Kampf hob an. Einer
der Gardisten hielt die Standarte der Schwanenkreuzer und stets war sie
inmitten des Schlachtgetümmels zu sehen. Groß war nun die
Entschlossenheit der Gardisten aus Duinor im Angesicht der Standarte. Es
schien, als würde sie die Gardisten stumm nach vorne peitschen. Immer
mehr Orks fielen unter den wütenden Schwerthieben der Gardisten. Das
Blatt wendete sich endgültig, als ein Heer aus Viennor hinzu kam und
den Orks in den Rücken fiel. Das Orkheer wurde gänzlich aufgerieben.
Nicht einer der Unholde überlebte. Die Erde ward trunken vom Blut der
Orks. Noch heute legt Bloduvoll, das rote Moor, Zeugnis ab von dem
Gemetzel. Das
Heer von Viennor kehrte zurück. Die Menschen in Viennor lachten und
feierten ausgelassen ihren Sieg. Nur ein kleiner Junge lachte nicht. Er
stand alleine abseits der Menge und weinte bitterlich. Ein Ritter trat
an ihn heran und legte die Hand auf seine Schulter. „Du kannst
wahrlich stolz auf deinen Vater sein. Was er getan hat, wird niemals
vergessen werden und so wird er ewiglich weiterleben in unseren
Herzen.“ Willbur schaute auf die siegreiche Standarte und nickte, während
die Tränen über seine Wangen liefen.
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